Das Leben mit Baby – Vorstellung vs. Realität

 

Abrufbereitschaft

Im Grunde hat man als Mama 24/7 Bereitschaft. Ohne wirkliche Pause. Irgendwie war es mir vor dem Jo nicht möglich, mir diese Abrufbereitschaft zu vergegenwärtigen. Wie auch, denn jetzt ist mir klar, dass man das nur verstehen kann, wenn man Mutter ist. Da kann man sich vorher noch so viele Gedanken machen, manche Dinge erfährt man eben erst, wenn man mitten drin steckt. Deswegen fällt es mir auch sichtlich schwer, das mit der Bereitschaft in Worte zu fassen, da es eher ein Gefühl ist. Gefühle sind manchmal eben schwer zu beschreiben. Es ist fast so, als würde man die ganze Zeit denken, dass man was vergessen hat.

Man ist irgendwie immer im Modus der Abrufbereitschaft

Kann man das mit einem Arzt vergleichen, der immer Bereitschaftsdienst hat? Der Pieper hängt Tag und Nacht am Hosensaum und die Batterien gehen niemals leer. Es gibt Tage, ja, da würde ich gerne meinen imaginären Pieper gerne einfach mal ausstellen. Nur für einen Tag.

Spontanität

Wie spontan kann man eigentlich mit Baby sein? Darüber habe ich mir im Vorfeld viele Gedanken gemacht. Sowohl was die Alltagsdinge angeht, als auch zum Beispiel spontane Urlaubstrips. Irgendwie habe ich auch versucht mich darauf mental vorzubereiten und bin nach der ganzen Denkerei zu dem Schluss gekommen: So wie früher wird das alles nicht mehr möglich sein. Spontan essen gehen ist dann bestimmt nicht mehr drin und ein schnell geplanter Tagesausflug im Urlaub wird auch schwierig. Und ehrlich gesagt hat mir das damals auch ein wenig Angst gemacht.

Jetzt nach 11 Monaten Babyerfahrung kann ich zu dem Fazit kommen: Die Bedenken waren komplett unbegründet

Auch an dieser Stelle kann ich wieder nur sagen, dass sich mein Leben durch Jo komplett verändert hat – aber dann eben auch wieder nicht. Ich kann mich immer noch, genauso wie früher, spontan verabreden, nochmal schnell mit Jo zum Bäcker gehen, noch mal eben was in der Stadt besorgen. Letztens war sogar ein spontaner Shoppingtrip nach Enschede mit einer Freundin drin. Sachen gepackt, den Jo geschnappt und ab dafür. Natürlich müssen diese Dinge irgendwie anders durchdacht werden als früher und anstrengender ist es auf jeden Fall auch. Ja, ist einfach anders als früher, aber immer noch möglich. Das habe ich mir vor Jo’s Zeit viel schwieriger vorgestellt.

Feiern gehen

Feiern gehen? Was ist das? Achja irgendwie sowas mit Alkohol und tanzen und lauter Musik, ne? Und da wären wir schon direkt beim Thema. Bescheuerter Weise war eines der ersten Gedanken vor und während der Schwangerschaft

Wenn ich bald ein Baby habe, kann ich ja gar nicht mehr Party machen

Ein Gedanke, der mir in meinem jetzigen Lebensabschnitt völlig nichtig erscheint. Warum? Naja, sehen wir der Wahrheit ins nachtdurchzechte Gesicht: Mein Bedürfnis mal wieder die Nacht zum Tag zu machen ist leider gleich null. Denn mittlerweile wird die Nacht leider schon automatisch zum Tag. Wenn mein altes, um 05.00 Uhr morgens auf einer verlassenen Tanzfläche stehendes Ich das hören könnte, würde es vor Schreck den Mund weit aufreißen und die Bierflasche fallen lassen. Tja. Sorry altes Ich. Du kannst ja ohne mich weiterfeiern

Ich mach jetzt Party im Kinderzimmer

Aber mal Spaß beiseite. Es wäre absolut möglich, am Wochenende mal die Sau rauszulassen. Aber erstens ist das Bedürfnis nicht da, zweitens macht mich ein Sushi Abend auf der Couch mit dem Mann glücklicher (mein altes Ich ext jetzt vor Verzweiflung den neu bestellten Drink) und drittens: ICH MUSS NACHTS SCHLAFEN. Das dürfte als Argument reichen, denke ich.

Trotzdem blicke ich manchmal mit einem Seufzen auf diese durchtanzten Nächte zurück. Wie oft war ich die letzte auf der Tanzfläche, bis das Licht anging. Vogelgezwitscher auf dem Weg nach Hause. Seufz. Wer weiß, vielleicht kann ich die Erinnerung bald mal wieder aufleben lassen.

Schlafen

Oh mein Gott. Wo fange ich da nur an. Das mit dem Schlafen ist seit Jo’s Geburt mein Thema und ihr werdet noch einiges dazu lesen können in Zukunft. Deswegen versuche ich auch nicht zu viel vorweg zu nehmen.

Die mentale Vorbereitung auf das kommende Schlafdefizit brachte leider nichts

In der Schwangerschaft habe ich versucht mich gedanklich auf den Schlafentzug vorzubereiten. Durch Freundinnen, die zu dem Zeitpunkt meiner Schwangerschaft schon Babys hatten, hatte ich einige Horrorstorys gehört. Immer wieder habe ich mir verschiedene Mantras im Gedanken vorgesagt: „Es wird schlimm, es wird heftig, du wirst sehr wenig schlafen“.

Und dann tritt mich die Realität mit ihrem großen, dicken Fuß mitten ins Gesicht. Aber so richtig. Nun muss ich natürlich sagen, dass wir in diesem Punkt einfach „Pech“ hatten. Nicht, dass ich jetzt hier irgendwelche Schwangerschaften verhindere. Es gibt immer Ausnahmen, ich kenne viele Babys, die gut schlafen. Zwei Faktoren spielen hier eine Rolle: Jo ist ein unglaublich schlechter Schläfer und ich brauche eben sehr viel Schlaf. Zwei Dinge die sich leider im höchsten Maße widersprechen.

Letzten Endes habe ich mir nicht vorstellen können, dass der tatsächliche Schlafentzug so dermaßen heftig sein würde. Und jetzt die gute Nachricht an alle werdenden Mamas bei der ganzen Negativität: Es wird irgendwann besser. Versprochen.

Zeit für mich

Irgendwie habe ich mir über Zeit für mich im Vorfeld nicht allzu viele Gedanken gemacht. Schließlich wäre ich sonst ja nicht unbedingt bereit für ein Kind gewesen. Schätze ich. Im Nachhinein ist das irgendwie schwierig zu beurteilen. Jedenfalls war ich im Reinen mit mir, ich hatte schließlich mehr oder weniger knapp 27 Jahre meines Lebens alleine verbracht.

Nun weiß ich leider erst wie gerne ich alleine bin seit ich ein Kind habe. Ups.

Was soll ich sagen. Man ist eben so gut wie nie alleine. Wenn ich den Jo eh nicht grade die ganze Zeit durch die Gegend trage, schiebt er die Hand unter der Tür durch, wenn ich auf der Toilette sitze. Aber es geht aber noch eine Stufe schlimmer. Manchmal saßen der Jo und ich ZUSAMMEN auf der Toilette, wenn gar nichts mehr ging. Details werden an dieser Stelle ausgelassen. Ich dusche ständig mit offener Tür, weil das Kind sonst im Laufstall einen Tobsuchtsanfall bekommt. Da sehnt man sich einfach manchmal nach einer Auszeit.

Im Laufe des ersten Babyjahres erobert man sich seine Zeit Stück für Stück zurück. Es fängt damit an, dass man irgendwann mal alleine in Ruhe duschen kann, ohne sich die ganze Zeit einzubilden, das Kind weint. Nach ein paar Wochen wird es möglich, abends für ein paar Stündchen rauszugehen und mal abzuschalten. Und irgendwann sind alle bereit für einen Babysitter, sodass man mal richtig auftanken und abschalten kann. Irgendwie muss ich hinter hervorgehaltener Hand zugeben, dass ich jedes Mal aufatme, wenn ich mal rauskomme, wenn ich die Tür hinter mir zuziehe. Ich bin alleine. Mit mir alleine. Einfach nur alleine. Endlich.

Und dann, nach zwei Stunden: der Mama-Effekt. Der Jo wird unsagbar vermisst und ich zähle manchmal sogar die Stunden, bis ich wieder zuhause bin. Tja. So ist das eben.

Es sind verdammt viele Sachen komplett anders, als man sich das vorher vorstellt. Und manche werfen einen auch gewaltig aus der Bahn. Aber gleichzeitig entdeckt man Dinge, die man sich nicht schöner hätte vorstellen können. So hart es ab und zu sein mag, manchmal ist die Realität eben noch viel schöner als die Vorstellung.

Wie war das bei euch? Welche Gedanken habt ihr euch im Vorfeld gemacht und wo wich die Realität von der Vorstellung ab?

Eure

Lo.

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