Zwischenfazit des ersten Semesters – Studieren mit Kind

Die erste Prüfungsphase mit Baby liegt nun hinter mir. Und was soll ich sagen? Schon jetzt habe ich viel dazugelernt und könnte zu diesem Zeitpunkt schon sagen, was ich in der kommenden Klausurenphase anders machen würde. Erfahrung lehrt ja bekanntlich am besten.

Was das Geburtstiming angeht, hatten wir unitechnisch Riesenglück, da Jo am Ende der Semesterferien zur Welt kam. Das bedeutet, dass ich vor der Geburt noch ein paar Dinge auf der Uni-To-do-Liste abhaken konnte. Dazu gehörten unter anderem eine schriftliche Klausur, viele Referate und ganz am Ende eine mündliche Prüfung. Da war ich ungefähr in der 32. Schwangerschaftswoche. Kugelrund saß ich in der Prüfung. Diesen Tag werde ich wohl nie vergessen.

Schon weit vor der Geburt war für mich klar, dass ich ein komplettes Semester aussetzen würde. Schließlich wusste ich ja nicht, was mich erwarten würde und ich wollte mich voll auf unsere zukünftige Familie konzentrieren.

Ein wenig Unialltag zu schnuppern tat unheimlich gut

Im Wintersemester 2017 stieg ich dann langsam wieder ein. Sehr langsam. Ich belegte erstmal einen Kurs am Dienstagabend, sodass ich mir vorerst für den Jo keine Betreuung organisieren musste. Die Männer blieben also zuhause und ich tastete mich langsam wieder an das Unileben heran. Der erste Tag des Seminars fühlte sich an, wie der erste Tag des ersten Semesters vor sechs Jahren. Es mag sich bescheuert anhören, aber ich war wahnsinnig aufgeregt. Nicht zuletzt war das natürlich so, weil ich hoffte, dass zuhause alles glatt läuft.

Die Vorfreude, meine „Unimädels“ wiederzusehen, war riesig. Natürlich hatten wir uns die vergangenen Wochen oft gesehen, aber dass wir jetzt alle wieder in der Uni vereint waren, war ein schönes Gefühl. Ein noch schöneres Gefühl war aber, dass sich zwischen uns nichts geändert hatte.

Das Seminar war interessant und ich liebte es, mal wieder etwas Input zu bekommen. Wer hätte das gedacht. Auch wenn meine Gedanken oft abgeschweift sind und die Augen oft zum Handy wanderten, genoss ich den kleinen, zurückeroberten Unialltag.

Als das Semester zu Ende war, stand eine mündliche Prüfung über das Seminar an. Allerdings bezog sich die Prüfung auf zwei Seminare, eins hatte ich bereits in der Schwangerschaft besucht. Damals hatte ich aber entschieden, die abschließende Prüfung ein Jahr später zu machen.

Die Lernerei stellte sich als schwierig heraus

Da das eine Seminar eben schon so lange her war, gestaltete sich das Lernen für diesen Teil der Prüfung als schwierig. Nicht nur, dass der zeitliche Abstand zur Prüfung so groß war, nein, ich war ja zum damaligen Zeitpunkt schwanger gewesen und deswegen war ich wohl damals nicht immer bei der Sache. Zumindest zeigten mir meine Notizen das. Ich versuchte also die Inhalte des Seminars irgendwie zu rekonstruieren.

Dann ging es in die Lernphase, die, wie immer, zu spät startete. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich komplett umstellen musste. Vorbei waren die Zeiten, in denen ich einfach tagsüber lernen konnte, denn das ist jetzt nicht mehr möglich. Jo hat nie viel geschlafen und das tat er auch Mittags nicht. Wenn ich Glück hatte, konnte ich mich am Tag mal eine Stunde dransetzen. Aber was ist schon eine Stunde, wenn man Inhalte von zwei Seminaren lernen muss? Richtig, das ist nichts. Das stresste und frustrierte mich. Dann hieß es also: Abends lernen. Gott, wie sehr ich es hasste. Früher habe ich das nie gemacht. Sobald es nur ansatzweise dunkel wurde, legte ich den Stift nieder, denn abends zu lernen, hat mich irgendwie immer deprimiert. Was in diesem Punkt am meisten wehtat: Der Abend ist normalerweise für mich und den Mann da. Ich saß also oben alleine im dunklen Kämmerlein, während sich der Mann unten ohne mich einen gemütlichen TV-Abend machte.

Augen zu und durch

Jetzt hieß es aber: Nicht rumheulen und weitermachen. In der letzten Woche vor der Prüfung musste ich jedoch merken, dass ich mich richtig verkalkuliert hatte. Ich habe ungefähr zwanzig Mal überlegt, mich von der Prüfung abzumelden, da ich noch niemals so schlecht auf eine mündliche Prüfung vorbereitet war. Und das war ein richtig mieses Gefühl, mündliche Prüfungen waren bisher immer meine absolute Stärke.

Ein paar Tage vor der Prüfung musste ich zeitweise auch Betreuungen für Jo organisieren, sonst hätte ich mir die Prüfung so richtig abschminken können. Meine eigenen Eltern, Schwiegermama und natürlich der Mann kamen zum Einsatz. Auf der einen Seite war es ein tolles Gefühl zu wissen, dass ich den Jo ohne größere Probleme in andere Hände geben konnte. Andererseits hatte ich auch ein schlechtes Gewissen, weil er tagelang von der einen Hand in die andere wanderte, nur weil ICH das ganze schlecht geplant hatte.

Es mag sonderbar klingen, aber irgendwie tat es auch gut, dass sich der Fokus in diesen Tagen einfach mal vom Babyalltag wegbewegte. Meine Gedanken kreisten erstmal nicht mehr um Schlafenszeiten und Windelwechsel. So viele ambivalente Gedanken und Gefühle hatte ich schon lange nicht mehr.

Dann war der Tag der Prüfung gekommen

Und ich war selten so aufgeregt. Aufgeregt, weil ich einfach schlechter vorbereitet war als sonst. Das war ungewohnt und verursachte eine riesige Unsicherheit, die mir nicht unbedingt zugutekam.

Während der Prüfung passte eine ganze Unimädels-Entourage auf Jo auf (Danke nochmal, ihr seid großartig <3 ), sodass ich einigermaßen beruhigt starten konnte. Meine Unsicherheit konnte ich dennoch nicht unbedingt ablegen und ich hangelte mich mit Hängen und Würgen von Thema zu Thema. Gefühlt dauerte die Prüfung ewig, jedoch war sie dann tatsächlich irgendwann zu Ende. Gott sei Dank. Was eine Quälerei.

Ich ging raus und wartete auf meine Note. Auch das fühlte sich wie Stunden an.

„Bin ich durchgefallen? Bin ich bestimmt. Aber ein paar gute Sachen waren schon dabei. Vielleicht hat es auch gereicht. Und was, wenn nicht? Dann muss ich das ganze nochmal machen. Dann war alles umsonst. Oh nein. Ich hab’s bestimmt verkackt.”

Schließlich wurde ich reingerufen und das Ergebnis wurde verkündet. 3,7. Puh. So gerade geschafft. Glück gehabt. Ob ich finde, dass die Note gerechtfertigt sei, fragten die Dozenten mich. Ich bejahte dies, denn mir fehlte die Sicherheit und ein roter Faden. Trotzdem war ich unglaublich erleichtert und die Note war vollkommen in Ordnung für mich. Und auch wenn ich in diesem Semester „nur“ eine Prüfung abhaken konnte, war ich trotzdem stolz auf mich.

Die erste Prüfungsphase mit Baby ist geschafft

In der nächsten Klausurenphase würde ich (hoffentlich) viele Dinge anders machen. Früher anfangen, so wenig wie möglich aufschieben und abends konsequenter lernen. Aber manche Dinge hätte ich ja noch garnicht wissen können. Außerdem musste ich mich komplett umstellen und die Lernerei erstmal in meinem „neuen“ Leben unterbringen. Ich sah diese Prüfung schließlich als kleines Experiment an, das am Ende zum Glück gerade so gut ausging.

Eure

Lo.

5 Gedanken zu „Zwischenfazit des ersten Semesters – Studieren mit Kind“

  1. Gratuliere zur bestandenen Prüfung! Meine Große wurde auch am Ende der Semesterferien geboren. Ich musste damals glücklicherweise kein Semester aussetzen, da ich in der ersten Zeit mit Baby größtenteils Veranstaltungen ohne Anwesenheitspflicht besuchte. Das Lernen für die Prüfungen hat auch ganz gut geklappt. Ich habe immer beim Stillen gelernt 😉 Allerdings habe ich mir mit den schriftlichen Arbeiten oft schwer getan.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg im Studium!
    Liebe Grüße, Simone

    1. Hallo Simone! 1000 Dank für deinen Kommentar. Und Danke, dass du deine Erfahrung mit mir teilst! Ich habe mich sehr gefreut 🙂 Hut ab, dass du direkt wieder eingestiegen bist! Das würde ich beim nächsten Kind auch tatsächlich anders machen. Grade am Anfang, wenn die Kids noch so mini sind, kann man wohl echt gut was für die Uni schaffen! Das bereue ich etwas. Vielleicht hätte ich am Anfang tatsächlich auch etwas abarbeiten können. Wie alt ist denke Große? Bist du mit dem Studium fertig? Was studierst du? Viele Fragen 😛 Lg, Lo.

      1. Mein Große ist im Februar 10 geworden. Ich habe Psychologie studiert und dieses Studium vor wenigen Monaten endlich abgeschlossen. Ich habe aber noch ein zweites Studium – Anglistik und Amerikanistik. Das würde ich eigentlich auch gerne fertig machen. Aber irgendwie möchte ich auch einen richtigen Job finden. Deshalb ist im Moment alles ein wenig in der Schwebe 😉
        Bei mir hat das wirklich super gepasst, so das ich ohne Pause weiterstudieren konnte. Ich denke, dass es aber auch von der Einstellung Uni und der Studienrichtung abhängt. Bei mir waren alle Professoren und so sehr positiv eingestellt und haben es befürwortet, dass ich mit Baby zum Unterricht gekommen bin. Was hast du diesbezüglich für Erfahrungen an deiner Uni gemacht?

        1. Dann erstmal herzlichen Glückwunsch zu deinem abgeschlossen Studium 🙌🏻 Ich studiere auch Anglistik, muss aber sagen, dass mir das hier in MS nich sooo gut gefällt 😒 Ich habe durchweg positive Erfahrungen gemacht! Allerdings habe ich Jo nie mitgenommen, nur einmal. Und das war garkein Problem! Die Dozentin war super lieb. Aber wenn ich zu Sprechstunden musste oder was klären musste in der Uni war Jo immer dabei und alle haben sehr viel Verständnis 😊

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