Von Ostereiern im Sand, Geburtstagskuchen und Meeresluft in der Nase – Ostern 2018 auf Texel

Ursprünglich war dieser Artikel als Reisebericht geplant. Jedoch war das Wetter zeitweise so bescheiden, dass wir leider nicht großartig die Gelegenheit hatten, etwas zu unternehmen. Und so genossen wir ganz unspektakulär die Familienzeit, ließen die Zeit so dahinfliegen und hörten dem Regen zu, wie er leise gegen die Fensterscheibe prasselte.

Es ging nicht nur zu dritt in den Urlaub

Sachen packen, auf geht es. Auf geht es nach Texel! Wir verließen zu Ostern Deutschland und machten uns, wie jedes Jahr, auf, um auf der westfriesischen Insel ein paar ruhige Tage zu verbringen. Von ruhig kann allerdings nicht die Rede sein, denn wir packten, neben unseren sieben Sachen, auch gleich die komplette Familie vom Mann mit ein! Inklusive Tanten, Onkels, Babys und Hunden. Und jetzt die Krönung: Wir bezogen alle ein Domizil. Ja, richtig gehört. Wir übernachteten alle gemeinsam in einer Familienvilla. Und Ostersonntag kamen sogar meine Eltern spontan auf einen Besuch vorbei. Das Familienchaos war perfekt.

Für Jo war es das Paradies. Tagsüber krabbelte er meist quietschend den Hunden hinterher und schaute sich meist einfach nur das Geschehen an, was in der Villa herrschte. Es gab ja auch genug zu gucken. Und Jo ist ja eher von der ruhigeren Sorte. Der Urlaub war also sozusagen ein Selbstläufer. Der Mann und ich konnten also mal richtig abschalten, es war ja immer jemand da, der Jo kurz bespaßen konnte. Herrlich. Abends wurde das ein oder andere Weinchen getrunken und wir ließen uns von den Gesprächen berieseln.

Die nächsten Tage folgten tolle Gespräche, Osterspaziergänge, Essen, Kochen, Lachen. Jeder machte sein Ding und trotzdem waren alle zusammen.

Der Lagerkoller ist trotzdem bei so vielen Leuten vorprogrammiert. Da müssen wir uns nichts vormachen. Also ab ins Auto. Wir fuhren diesen einen kleinen, schmalen Hügel hinauf. Bis ganz oben. Und dann: Meer. Einatmen. Ausatmen. Die Zeit steht still. Die ganzen letzten Wochen fliegen mit dem Meereswind davon. Einatmen. Ausatmen. Als ob man für drei Minuten die Mute-Taste drückt. Stille. Nur wir und das Meer. Plötzlich war Zeit zum Nachdenken. Die Gedanken haben am Meer Platz.

Wie waren denn die letzten Wochen? Wie haben wir das letzte Jahr empfunden? Es ist ganz schön viel passiert. Unser Leben hat sich ziemlich verändert.

Dieses Jahr Ostern war auch ein Fest der Erinnerungen. Und es war geprägt von ersten Malen für Jo: Das erste Mal Pommes essen. Das erste Mal Geburtstagskuchen naschen. Die ersten Schritte. Das erste Mal Ostereier suchen. Wahnsinn. Wenn ich mir diese Momente ganz bewusst mache, in denen Jo etwas das erste Mal tut, mischen sich bei mir ganz viele verschiedene Gefühle. Aufregung. Begeisterung. Spannung. Vorfreude. Aber manchmal schwingt auch etwas Melancholisches mit. Weil die Zeit so schnell vergeht. Ich kann einfach nicht glauben, dass es schon ein Jahr her ist, dass er das Licht der Welt erblickte. Auf der anderen Seite kommt es mir so vor, als wäre Jo schon immer in unserem Leben gewesen.

Da steht er also, der Geburtstagskuchen. Konfetti auf dem Tisch. Jo und ich sind die einzigen unten im großen Wohnzimmer. Nur wir beide. Irgendwie nehme ich ihn an seinem Geburtstag ganz genau wahr. Bewusster irgendwie. Anders. Sehe in seine Kleinkindaugen. Ja, er ist jetzt ein Kleinkind. Mit allem was er tut.

“Dä!“, sagt er.

„Was denn?“, entgegne ich belustigt.

„Dä!“, sagt er wieder und sieht dabei entschlossener aus denn je.

Ich muss lachen, denn ich weiß nicht was er meint.

Er lacht jetzt auch.

Alles was er sagt und tut sieht nach Kleinkind aus. Wie er sich bewegt, die Mimik in seinem Gesicht. Wie er zu uns hochguckt. Wie er auf etwas zeigt, das er haben will. Wie er klatscht und versucht zu singen. Und dann wieder dieser Gedanke: Die Zeit vergeht so schnell.

Manchmal bin ich zwar traurig, dass die Zeit so schnell voranschreitet, jedoch freue ich mich wahnsinnig auf unsere Zukunft mit Jo. Auf Spielplatzbesuche. Auf das Höhlenbauen. Auf das Singen. Auf das Lachen. Auf alles.

Als wir zuhause sind und ich unsere Koffer leere, fällt etwas Sand aus Jo’s Schuh und ich muss schmunzeln.

Ich bin gespannt, mit welchen Gefühlen wir nächstes Jahr nach Texel fahren.

Tot ziens, Texel!

Deine,

Lo.

 

2 Gedanken zu „Von Ostereiern im Sand, Geburtstagskuchen und Meeresluft in der Nase – Ostern 2018 auf Texel“

  1. Liebe Lorena! Ich bin TOTAL begeistert!!!!!!!!!!!! Endlich mal jemand ,der EHRLICH, aber auch liebevoll ambivalent sein Muttersein schildert!!Wenn wir diese Möglichkeiten gehabt hätten, wäre uns sehr viel erspart geblieben!!Bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung! Es drückt dich und die deinen ganz dolle! Deine Maaam

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