Über Rapsöle und Babybrei-Kühltaschen – Müttergespräche

Szenerie Pekip-Kurs. Man unterhält sich über kaltgepresste Rapsöle für Babynahrung.

„Welches Baby-Beikost-Öl hast du denn?“

„Häh?“

„Also ich hab ja gehört, die raffinierten Öle sind am besten für die Kleinen. Die Kaltgepressten enthalten zu viele Schadstoffe. Hast du kaltgepresstes oder raffiniertes Öl?“

„Ähm. Ja, also da müsste ich jetzt nachgucken, weil… Äääh.“

Jetzt werden einige geschockt sein: Ich habe mir noch NIEMALS Gedanken über kaltgepresste Bio-Baby-Beikost-Öl gemacht.  Noch nie. Und das werde ich auch in Zukunft nicht tun. Ja, ich besitze Beikost-Öl, das steht bei uns im Regal. Das ist die einzige Information die nötig ist. Und ehrlich gesagt habe ich auch kein Interesse mich über Kaltgepresstes zu unterhalten.

Nächste Szenerie: Privater Mudditreff. Ich stehe gemeinsam mit einer Mama am Herd und wir machen parallel das Mittagessen für unsere Jungs warm. Ich hole mein Gläschen aus der Wickeltasche.

„Äh, kühlst du deine Gläschen unterwegs gar nicht?”

Was bitte? Wie? Gläschen kühlen? Muss man das machen? Es ist 5 Grad draußen. Reicht das nicht? Gibt’s solche to-go Babybreigläschen-Kühltaschen überhaupt? Ja, die gibt’s tatsächlich. Also wenn es draußen 40 Grad ist und ich 6 Stunden mit dem Jo unterwegs bin, hätte ich wahrscheinlich mal darüber nachgedacht. Aber so?

Es gibt doch wirklich wichtige und vor allem interessantere Themen als Rapsöle und Babybrei-Kühltaschen. In diesen Muddi-Gesprächen ist aus irgendeinem Grund wenig Platz für persönliche Dinge. Dabei interessiert es mich doch auch, was die Person mit gegenüber außerhalb des Mütter-Kosmos macht oder was die Person gerne mag.

Das typische Muddi-Gesprächspingpong sieht folgendermaßen aus

Mutter A: „Paul hält sein Fläschen immer so (affige Geste) und fuchtelt dann so rum. Das ist so süüüühüüß.“ Übertriebenes Lachen.

Mutter B: „Max nimmt immer sein Fläschen und setzt sich dann so hin, hihi.“

Mutter A: „Manchmal schmeißt er die Flasche aber auch einfach weg, der Frechdachs (übertriebenes Augenbrauen-Hochgeziehe).“

Mutter B: „Eeecht? Ne, Max ist beim Füttern immer ganz entspannt und fummelt dann immer so an seinem Ohr rum.“

Oder das unvermeidliche Bilder-Ping-Pong in Gruppenchats bei Whatsapp. Alleine darüber könnte man 57 Artikel schreiben, lasse ich aber und versuche beim Thema zu bleiben. Mein Handy klingelt, ich öffne einen der Abermillionen Mama-Baby-Chats. Bild von Marie. Marie sitzt (eher hängt sie) missmutig und offensichtlich aufwendig von den Eltern drapiert auf ihrer Krabbeldecke. Vorher hat man noch schnell ein, zwei Sachen im Hintergrund weggeräumt. Soll ja schließlich alles ordentlich sein. Was sollen denn die Leute denken. Aber zurück zu Marie: Neben ihr befindet sich eine Karte, die sagt: „Ich kann jetzt sitzen“. Hm.

Anderer Chat. Auf dem Handy öffnen sich 7 Benachrichtigungsfenster. Mattis vor der Heizung, Mattis auf der Badematte, Mattis am Geschirrspüler, Mattis am Geschirrspüler vol. 2, Mattis am Geschirrspüler vol. 3, Mattis am Geschirrspüler vol. 4, Mattis am Geschirrspüler vol. 5. Und kein Kommentar seitens der Eltern dazu. Und was soll mir das jetzt sagen?

Worum geht es in diesen Gesprächen? Worum geht es beim Bilder-Ping-Pong? Was mein Kind macht, was dein Kind macht?

Das sind keine Gespräche, das sind Monologe. Sind sie wirklich daran interessiert, irgendwelche persönlichen Dinge oder Eigenheiten über das jeweilige Kind, geschweige denn über die Mutter als Person zu erfahren? In diesen Unterhaltungen wird nicht zugehört. Es wird überhaupt nicht aufeinander eingegangen, die Gedanken werden nicht aufgegriffen. Es ist immer, immer, immer das gleiche. Ich bin gelangweilt und genervt davon. Todesgelangweilt. Todesgenervt. Mir fehlen witzige Gespräche und vor allem solche, die weniger oberflächlich sind. Es geht immer nur darum, wer grade was kann oder wie das bei Baby xy ist.

Ok, man kann nicht erwarten, dass man tiefsinnige Gespräche mit Menschen führt, die man grade erst kennengelernt hat. Aber ich habe das Gefühl, dass in diesen aufgeheizten Pekip-Räumen das Gehirn schrumpft. Vielleicht liegt es daran. Eine plausiblere Erklärung wäre aber, dass es meist so ist, dass die einzige Gemeinsamkeit die wir haben, das Muttersein ist. Und das bringt einfach mit sich, dass wir über unsere Kinder reden, dass wir über Babybrei reden. Und von mir aus auch über Rapsöl. Aber das entscheidende dabei ist, wie oft man sich über diese Themen unterhält. Auch ich bin am Austausch interessiert, aber muss diese Art von Gespräch denn immer sein?

Bei mir ist das auf der anderen Seite natürlich stimmungsabhängig mit dem Mudditalk. Als meine mündliche Prüfung vor 3 Wochen zu Ende war, war es für mich das größte, wieder über Beikost und irgendwelche Ökotests zu reden. Könnte es nicht dennoch sein, dass ich einfach nicht der Typ bin, der sich pausenlos über die Vorzüge von Ökowindeln und wiederverwendbaren Quetschbeutel unterhält?

Irgendwie bin ich aber auch selber schuld

Zur Zeit mache ich nämlich viele Babykurse. Verdammt viele. Warum, könnt ihr demnächst auf dem Blog lesen. Jedenfalls werde ich natürlich durch diese Vielzahl an Kursen einfach häufig mit Muddigesprächen konfrontiert. Ist ja klar. Sieht also fast so aus, als sei ich tatsächlich in gewisser Weise selbst schuld.

Fakt ist, dass es bei Mudditalk eigene Regeln gibt und dass diese Gespräche meist auf der Oberfläche vor sich hin dümpeln. Aber das ist auch okay so. Es gibt Phasen, in denen ich mich mal mehr, mal eben weniger darauf einlassen kann.

Und jetzt muss ich kurz eine Freundin anrufen, die hatte mich noch was zu den Quetschbeuteln gefragt.

Seid ihr auch manchmal genervt davon oder habt ihr witzige Anekdoten zum Muddi-Talk?

Eure

Lo.

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