Kein Wort ist gut genug für dich – Ein Brief an meinen Sohn

 

 

Lieber Jo,

du bist zehn Monate in mir gewachsen, mein Körper hat dich auf die Welt gebracht. Den Tag deiner Geburt werde ich niemals vergessen. Ich bin sehr froh, dass ich sagen kann, dass das eines der schönsten Erlebnisse meines Lebens war.

Und dann warst du da. Lagst dort auf meiner Brust in dem weißen Handtuch und hast ganz leise gewimmert. Ich hab dir immer wieder das Gesicht gestreichelt. Ich war überwältigt von dir und habe die ganze Zeit nur gedacht, wie schön du doch bist.

Dann war alles neu für dich. Hell, laut, chaotisch, durcheinander. Du warst völlig orientierungslos. In dieser Zeit haben wir alles gegeben, damit du Halt findest und dich in dieser neuen Welt nicht verlierst. Und das tun wir immer noch. Jeden Tag. 

Alles für dich zu geben, ist die bisher größte Herausforderung meines Lebens. Das kann ich nicht leugnen. Manchmal bin ich dann unsagbar erschöpft. Unsagbar müde. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht mehr kann, wenn ich einfach am liebsten mal einen Tag alleine wäre. Damit ich Kraft sammeln kann. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel. Dieses schlechte Gewissen bringt mich manchmal fast um. Oft habe ich dann Angst, dass ich nicht genug für dich gebe. Dass ich manchmal zu sehr mit mir selbst beschäftigt bin.

Als du im Mai 2018 deine ersten Schritte gemacht hast, schossen mir vor Freude die Tränen in die Augen. Du wirst wieder ein Stück selbstständiger. Unabhängiger. Das macht mich so stolz. In einem Monat kommst du in die Kita. Das ist einer der ersten Wege, die du alleine beschreiten wirst. Ich hoffe, dass ich dir in deinen ersten Lebensmonaten genug Sicherheit und Stärke mitgegeben habe, damit du deinen neuen Lebensabschnitt gut bewältigen kannst.

Und manchmal tut das richtig weh in meinem Herzen, zu sehen, dass du dich von mir abnabelst. Dass du dich von mir abnabeln musst. Es geht alles so schnell vorbei. Manchmal möchte ich gerne die Zeit anhalten.

Manche Eigenschaften von mir erkenne ich in dir wieder, aber trotzdem bist du einzigartig. Du bist impulsiv und ausgeglichen. Du bist lustig und clever. Dann erkenne ich Eigenschaften deines Vaters in dir wieder. Gutmütigkeit. Gelassenheit. Liebe. Kein Mensch auf der Welt trägt so viel Liebe in sich wie dein Vater. Und jeden Tag kann ich die Liebe sehen, die dein Vater an dich weitergibt. 

Es ist so schön, dir Dinge aus meiner Kindheit mit auf deinen Weg zu geben. Nichts auf der Welt erfüllt mein Herz mehr. Der Regenbogenfisch. Die kleine Raupe Nimmersatt. Engelchen flieg‘. Riesenhäuser aus Duplo bauen. Gute-Nachtgeschichten. Sandburgen. Vanilleeis. 

Du bist ein Teil von mir und das wird immer so sein. Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen, es fühlt sich so an, als wärst du schon immer da gewesen. „Ich liebe dich“ ist nicht genug. Auf der ganzen Welt gibt es kein Wort, das beschreiben kann, was ich für dich empfinde. Wörter reichen manchmal eben nicht aus. Kein Wort ist dir würdig. Das Einzige was dir würdig ist, ist die Liebe. Das, was ich nicht ausdrücken kann, versuche ich dir jeden Tag, mit allem was ich bin, zu zeigen.

Danke, dass ich deine Mama sein darf.

3 Gedanken zu „Kein Wort ist gut genug für dich – Ein Brief an meinen Sohn“

  1. Liebe Lorena! Mal wieder: Wiiiieee schööööönnn! Es entspricht dem, was ich fühle, besonders in Bezug auf Jos Papa, der mein Sohn ist! Wie einzigartig du ihn beschrieben hast, ja , das ist er! Viele seiner Eigenschaften finde ich in Jo wieder, dazu dein liebes Wesen !
    Wahrscheinlich spürt Jo , welch ungeheures Glück er mit euch und ihr mit ihm bekommen hat!
    Wundervoll auch, dass ihr mich mit offenen Armen an diesem Wunder teilhaben lasst! Danke!
    Fühlt euch alle Drei gedrückt und umarmt von eurer Maaam/ Oma

  2. Ach Lorena, ich sitze hier und heule bei den Zeilen. Ich schaue dabei meine kleine Elfe an, die gerade friedlich in ihrem Beistellbettchen liegt und fühle jedes Wort was du schreibst ganz genau nach mit meinem Mamaherzen.
    Du triffst den Nagel auf den Kopf. Diese Zeilen hätte ich nicht schöner schreiben können. Wer hätte gedacht, dass wir hier sitzen, völlig überwältigt von diesen Gefühlen, die wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht hätten ausmalen können 💕

    1. Oh, Kamila. Mensch, das ist ja ein einziges Tränenmeer hier. Jetzt hab ich auch schon wieder Tränen in den Augen. Danke, für deine Worte. Es ist so schön zu hören, dass dich der Beitrag so berührt hat. Genau deswegen mache ich das alles hier 🙂

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