„Spielplatz ist Krieg!“ – Von Machtkämpfen, Sozialisationsinstanzen & Dinkelkeksmuttis

Vorab möchte ich mich bei @mitfreundlichengruessen_meike bedanken, die mir durch einen Instagramkommentar den Titel und somit die Inspiration für diesen Blogpost geliefert hat! Danke, Lieblingsrabenmutter.

 

Es war wiedermal ein warmer Frühlingstag und Jo und ich hingen, wie fast jeden Morgen, auf „unserem“ Spielplatz rum. Die Spielplatzära hatte für uns gerade erst begonnen – schließlich war Jo gerade ein Jahr alt geworden und der Frühling hatte kürzlich erst begonnen. Eigentlich fehlten nur noch die kleinen, bunten Vögelchen, die man aus den Disneyfilmen kennt.

Unsere heile Spielplatzwelt wurde binnen Sekunden zerstört

Ich begleitete Jo zum Spieleauto und er drehte vergnügt an dem Lenkrad herum. Er war beschäftigt, also ging ich kurz zum Kinderwagen, um etwas zu trinken zu holen. Als ich mich gerade herumdrehte, sah ich, wie ein Vierjähriger Jo in voller Absicht von dem Auto herunter in den Sand schmiss – mit dem Gesicht voran. Am liebsten hätte ich den Jungen quer über den Spielplatz angebrüllt. Ich versuchte, mich zusammenzureißen und dem Jungen so ruhig wie möglich zu erklären, dass sein Verhalten absolut nicht okay ist.

„Ist mir egal! Ich wollte alleine hier drauf!”

Tja, da saßen wir nun. Jo schreiend in meinem Arm mit viel Sand im Auge und ich völlig perplex. Die friedvolle Spielplatzidylle ist geplatzt. Jetzt wird es ernst – Spielplatz ist Krieg!

Wutentbrannt hielt ich natürlich während des „Gesprächs“ mit dem Jungen nach seiner Mutter Ausschau.

„Wo ist denn deine Mama überhaupt?!”

„Die steht da hinten…”

Und da stand sie. Laut lachend warf sie ihre blonden, langen Haare von der Schulter und nahm einen Schluck aus ihrem dämlichen Kaffee-to-go-Becher. Wahrscheinlich irgendein Low-Fat-Matcha-Soja-Latte. Sie war vertieft in ein Gespräch mit einer anderen Mutter. Die Aktion ihres Sohnes hatte sie gar nicht mitbekommen. Natürlich hat sie das nicht. Wahrscheinlich erzählt sie der anderen Mutter gerade, wie viel Platz ihr neuer SUV hat.

Ich störe Sie ja nur ungerne bei Ihrem kleinen Muddipläuschchen, aber während Sie sich hier gerade über Dinkelkekse und SUVs unterhalten, malträtiert ihr Sohn hier gerade jüngere Kinder auf dem Spielplatz! Bringen Sie ihrem Kind mal Manieren bei!

Das habe ich gedacht.

Was ich tatsächlich gemacht habe? Ich habe Jo die Tränen vom Gesicht gewischt und wir sind abgedampft.

Der Umgang mit Machtkämpfen

Wie geht man also als unbefleckter Spielplatzneuling mit solchen Machtkämpfen um? Im Laufe unserer Spielplatzkarriere habe ich gelernt, dass es drei Möglichkeiten gibt, mit solchen Situationen umzugehen.

Erstens: Ignorieren. Abdampfen und dem Konflikt aus dem Weg gehen. Zweitens: Mit den betreffenden Kindern sprechen. Sozusagen Erziehungsarbeit leisten. Drittens: Je nach Situation mit den Eltern sprechen.

Spoiler vorab: Ich bevorzuge meist die erste Variante. Denn ich habe weder Lust mich täglich mit anderen Müttern auseinanderzusetzen, noch verspüre ich das Verlangen, Tag für Tag fremden Kindern zu erzählen, wie sie sich jüngeren Kindern gegenüber verhalten müssen. Außerdem hätten Jo und ich vermutlich nie wieder Spaß im Sandkasten, wenn ich mich permanent für die beiden letzten Möglichkeiten entscheiden würde. Und so machen Jo und ich meistens auf dem Spielplatz Tag für Tag unser eigenes Ding.

 

 

Sozialisation auf dem Spielplatz?

Aber wofür sind die kleinen Spielplatzauseinandersetzungen gut? Ist der Spielplatz gar eine Sozialisationsinstanz für unsere Kinder? Ja, das ist er. Natürlich ist er das. Und er ist wichtig. Genauso wichtig wie das Umfeld des Kindergartens oder der Pausenhof. Ob ich von den Müttern oder von den Kindern genervt bin, ist erstmal Nebensache. Um mich geht es hier nämlich gar nicht. Es geht um Jo.

Aus den meisten Konflikten, die er hier austragen muss, wird er in irgendeiner Art und Weise etwas für das Leben lernen. Jo steht in dieser Sache im Mittelpunkt. Er muss hier seine Erfahrungen machen. Dazu muss er vielleicht mal vom Auto geschmissen werden, ja. Und immer wieder werde ich ihn danach in den Arm nehmen, da sein und ihm die Tränen vom Gesicht wischen.

 

2 Gedanken zu „„Spielplatz ist Krieg!“ – Von Machtkämpfen, Sozialisationsinstanzen & Dinkelkeksmuttis“

  1. Genau dasgleiche habe ich auf dem ” Edelspielplatz ” in Grüten am letzten Wochenende auch beobachtet, auch in der Kombi ” Latte Macchiato- schlürfen ” und “Was-geht- mich-das-an”- Haltung!!!
    ….und es ist kein ” Unterschicht- Problem “, vielleicht sogar das Gegenteil davon: Da werden wieder “richtige Kerle ” erzogen, die morgen wieder den Ton in unserer Gesellschaft angeben sollen, siehe Amerika!!!

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